Zahnbehandlung im Ausland: Warum der Medizintourismus in der EU boomt

zahnarzt-ausland-zahnimplantat

Wohl dem, der gesunde Zähne hat – denn eine Zahnbehandlung kann schnell teuer werden. Gerade bei umfangreicheren Eingriffen bekommt man als Patient oft erst einmal einen Schrecken, wenn man den Heil- und Kostenplan des Zahnarztes zu Gesicht bekommt.

Wer sich dann ins Internet begibt, um sich über die vorgeschlagenen Behandlungsoptionen, mögliche Alternativen und auch die Kosten für festen Zahnersatz zu informieren, stößt früher oder später auf deutlich günstigere Angebote für Zahnbehandlungen in benachbarten EU-Ländern. 

Doch was ist dran am europaweiten Zahntourismus? Sind die Zahnkliniken im Ausland genauso vertrauenswürdig wie die deutschen? Ist die Qualität so gut wie angepriesen, spart man wirklich Geld? Im folgenden Text möchten wir diese und andere Fragen aufgreifen und erklären:

  • was Medizintourismus ist, warum es ihn gibt und wie es in Deutschland aussieht,
  • warum Ungarn der Spitzenreiter beim europäischen Zahntourismus ist,
  • warum gerade Zahnbehandlungen im Ausland vorgenommen werden und wie die Kostenerstattung mit der deutschen Krankenkasse funktioniert.

 

Was ist Medizintourismus?

zahnkrone-zahnbehandlungWenn man den Blick ein wenig über den europäischen Tellerrand richtet, stellt man schnell fest, dass Medizintourismus ein weit verbreitetes Phänomen ist: Weltweit reisen Menschen ins Ausland und sogar auf andere Kontinente, um dort zum Arzt zu gehen.

Dabei geht es nicht um Urlauber, die im Ausland eine Klinik aufsuchen, weil sie sich unterwegs ein Bein gebrochen oder einen Magen-Darm-Virus zugezogen haben, sondern um Menschen, die mit dem expliziten Ziel ins Ausland reisen, sich dort ärztlich behandeln zu lassen.

Mittlerweile gibt es auch Reiseunternehmen, die sich speziell auf Medizintouristen eingestellt haben. Daher wundert es nicht, dass das Thema Medizintourismus im März 2017 auch erstmals auf der Internationalen Tourismusbörse Berlin (ITB) präsent war.

 

Welche Motive haben die Medizintouristen?

Gründe für eine solche Medizinreise gibt es viele:

  • mangelnde Behandlungsmöglichkeiten im Heimatland, insb. bei spezialisierten Eingriffen
  • lange Wartezeiten im Heimatland
  • gesetzliche oder moralische Normen, die eine Behandlung im Heimatland verhindern
  • Kostenersparnis im Vergleich zum Heimatland

 

Medizintourismus in Deutschland 

Viele Deutsche wissen gar nicht, dass unser Land weltweit ein attraktives Reiseziel für Medizintouristen ist: Im Jahr 2014 kamen ca. 251.000 Menschen aus 176 Ländern nach Deutschland, um sich hier ärztlich behandeln zu lassen.

Umgekehrt sind auch die Deutschen selbst reiselustiger geworden, sofern es sich um ärztliche Behandlungen handelt: Da das Versorgungsniveau Deutschland sehr hoch, sind es meist Kostenüberlegungen, die den Ausschlag für eine Medizinreise geben.

Dies trifft vor allem auf die Zahnmedizin zu: Angesichts des oft hohen Eigenanteils für hochwertige und ästhetisch ansprechende zahnmedizinische Behandlungen schauen sich viele Deutsche nach kostengünstigeren Möglichkeiten um – und dies auch im EU-Ausland.

 

Ungarn als europäischer Spitzenreiter des Zahntourismus

zahnbehandlung-auslandDas im Herzen Europas gelegene Ungarn ist mit nur 9,8 Millionen Einwohnern ein vergleichsweise kleines Land – und doch steht es weltweit auf Rang zwei, europaweit auf Platz eins der beliebtesten Destinationen für Zahntouristen.

→ Jedes Jahr kommen etwa 60.000-70.000 Ausländer nach Ungarn, um dort eine Zahnbehandlung durchführen zu lassen.

Die zahnärztliche Ausbildung an ungarischen Universitäten wird für ihre Qualität geschätzt. Dies belegen nicht zuletzt die zahlreichen Studenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die an der Budapester Semmelweis-Universität ein deutschsprachiges Studium der Zahnmedizin absolvieren.

Im ganzen Land gibt es zahlreiche Zahnkliniken, die sich speziell auf die Wünsche und Anforderungen ausländischer Patienten eingestellt haben. Sie werben mit hochqualifizierten Ärzten, modernster Praxisausstattung und selbstverständlich auch deutschsprachigem Service.

Veraltete Stereotypen über das vermeintlich geringere Versorgungsniveau in Ostmitteleuropa kann man getrost vergessen: Die Ungarn wissen, was ausländische Patienten erwarten! Die schmerzlose Zahnbehandlung ist eine Selbstverständlichkeit.

Zudem spezialisieren sich die Zahnkliniken häufig auf hochwertige Eingriffe wie bspw. die Anfertigung und Einpassung von Zahnersatz, Implantologie, Parodontologie etc. Auch im Bereich der Kieferchirurgie verzeichnen ungarische Praxen einen Zuwachs von Zahntouristen.

 

Zahnbehandlung & Erholungsreise: eine attraktive Kombination

Viele Zahnkliniken haben sich zudem gezielt in beliebten Tourismusregionen angesiedelt, so dass die Patienten die Zahnbehandlung mit einem Erholungsaufenthalt kombinieren können – denn so lohnt die Anreise aus dem Ausland gleich doppelt.

Mit diesem Doppel-Argument wirbt auch die Gelencsér Dental Zahnklinik im malerischen Hévíz, einem idyllischen Kurort nahe des Plattensees. Bekannt ist der Ort vor allem durch seinen natürlichen Thermalsee, dessen dunkelblaues warmes Wasser ganzjährig Kurgäste aus aller Welt anzieht.

Ob schmerzlose Zahnbehandlung, Anfertigung von Zahnersatz, Einsetzen von Zahnimplantaten, Parodontologie oder Kieferchirurgie – die Zahnklinik offeriert alles, was die moderne Zahnmedizin zu bieten hat und muss sich keineswegs hinter deutschen Privatpraxen verstecken.

Zahnreisende, die statt der kleinstädischen Idylle das lebendige Flair der Großstadt suchen, werden in Budapest fündig: Auch in der ungarischen Hauptstadt gibt es zahlreiche Zahnärzte, die sich auf deutsche Patienten spezialisiert haben und das gesamte Spektrum der Zahnmedizin abdecken.

 

 

 

Hochwertige Zahnbehandlung für wenig Geld: Hält die Zahnreise, was sie verspricht?

Wer ins Ausland reist, um sich dort einer Zahnbehandlung unterziehen, muss natürlich sorgfältig kalkulieren: Der Vergleich sollte nicht nur die Behandlungskosten selbst, sondern auch die Kosten für Anreise und Unterkunft mit einbeziehen.

Zudem sollten Interessenten das Qualitätsniveau der Klinik sorgfältig prüfen: Erfolgt eine ausführliche Beratung? Besteht Transparenz hinsichtlich Behandlungsverlauf, eingesetzter Materialien und anfallender Kosten? Gibt es positive Testimonials früherer Patienten?

 

Krankenkasse oder Patient: Wer zahlt was bei der Zahnbehandlung?

Medizinisch notwendige Zahnbehandlungen gehören in Deutschland grundsätzlich zum Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV):

  • Die halbjährliche Kontrolluntersuchung ist kostenfrei.
  • Grundsätzlich kostenfrei ist auch die Karies-, Zahnwurzel- und Parodontitis-Behandlung. Über die Regelversorgung hinausgehende Leistungen (bspw. zahnfarbene Keramikfüllung, Professionelle Zahnreinigung im Zuge der Parodontitis-Therapie etc.) müssen jedoch vom Patienten selbst bezahlt werden.
  • Bei Zahnersatz zahlt die Krankenkasse knapp 50 % der Kosten für die Regelversorgung (ggf. 60 oder 70 % mit Bonusheft), Grundlage hierfür bilden die sog. befundbezogenen Festzuschüsse. Das heißt, für jeden Befund – bspw. einen fehlenden Frontzahn oder zwei fehlende Backenzähne – gibt es einen bestimmten Betrag als Festzuschuss, der unabhängig von der gewählten Zahnersatz-Variante gezahlt wird. Die Differenz zu den Gesamtkosten ist als Eigenanteil vom Patienten selbst zu tragen. Die Versorgung mit Zahnersatz ist zudem genehmigungspflichtig, das heißt, der Zahnarzt muss den Heil- und Kostenplan (HKP) vorab bei der Krankenkasse einreichen.

 

Kostenübernahme im EU-Ausland

Zahnbehandlungen im EU-Ausland werden genauso von der Krankenkasse bezuschusst wie eine Behandlung in der heimischen deutschen Zahnklinik. Auch hier ist ggf. vorab der Heil- und Kostenplan von der Krankenkasse zu genehmigen.

Praktisch sieht das so aus, dass der Patient in der ausländischen Zahnklinik als Selbstzahler behandelt wird und die Rechnung zunächst selbst begleicht. Anschließend reicht er diese bei der Krankenkasse ein, um sich den erstattungsfähigen Anteil erstatten zu lassen.

Fazit: Je teurer die Zahnbehandlung und je höher der Eigenanteil des Patienten, desto eher lohnt es sich zu prüfen, ob eine ausländische Zahnklinik dieselbe Leistung in vergleichbarer Qualität zu günstigeren Preisen anbietet!

 

Wie gut gefällt Dir dieser Artikel?
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (6 Bewertung/en, durchschnittlich: 5,00 von 5)

Loading...

Alle Angaben ohne Gewähr auf Vollständigkeit und Richtigkeit.

Sponsored Post: Nein

© Artikelbild: pixabay.com / Free-Photos

© Fotos: pixabay.com / drshohmelian, jarmoluk

Über Apotheke.BLOG 275 Artikel
Apotheke.BLOG ist Dein Online-Magazin. Wir bieten Dir Hilfe & Tipps sowie Wissen rund um die Themen Symptome, Krankheiten, Medikamente, Therapie, Psyche, Wohl, Sport und Ernährung an.

4 Kommentare

  1. Ich habe meine Zahnkrone auch bei einem Zahnarzt in Ungarn machen lassen und bin sehr zufrieden. Lief alles super ab mit Vor- und Nachuntersuchung in der Schweiz, sodass ich tatsächlich nur für die eigentliche Zahnbehandlung in Ungarn war.

  2. Danke für die vielen Informationen. Man hört ja immer mal wieder vom Zahnarzt in Ungarn, aber bisher hatte ich mich da noch nicht so umfassend informiert. Somit danke und gerne mehr Beiträge wie diesen! 🙂

  3. Mein Bekannter hat sich in Sopron in Ungarn, nahe der österreichischen Grenze in der Korona Klinik bei einer überkronten 4 gliedrigen Zahnbrücke einer Wurzelbehandlung bei Zahn 47 rechtes Unterkiefer, letzter Zahn, unterzogen.
    http://www.kronedental.hu/?lang=de Der Zahnbehandler Elekes Zsolt führte die Wurzelbehandlung durch ohne dass es dafür eine medizinische Notwendigkeit gab. Es lag keine Pulpitis vor.
    Er überfüllte die Wurzel sodass Wurzelfüllmaterial in den Nervus alveolaris inferior gelangte und informierte den Patienten darüber nicht. Mehrmals hat sich der Patient danach an den Zahnbehandler gewandt, doch dieser sagte ihm nie dass er die Wurzel überfüllt hatte. Es kann sein dass wir zu viel Betäubungsmaterial gespritzt haben erc.
    In Wien erkannte man sofort auf dem Röntgenbild dass das Füllmaterial in den Trigeminusnerv gelangt war. Es wurde mikrochirurgisch durch aufschneiden des Kieferknochens entfernt, doch leider konnte der Nerv nicht mehr gerettet werden. Seit Jahren hat er nun unerträgliche neuropathische Schmerzen und ist arbeitsunfähig. Es wurden zahlreiche Gutachten erstellt die eindeutig ein KRIMINELLES Fehlverhalten des Zahnbehandlers feststellten. Wäre das Fremdmaterial sofort entfernt worden dann hätte der Nerv gerettet werden können. Aus Scham und finanziellen Gründen (es handelte sich um eine 4 gliedrige Zahnbrücke) und außerdem hätte die Zahnklinik die Operationskosten für die mikrochirurgische Entfernung in Vollnarkose bezahlen müssen.
    In dieser kleinen Stadt Sopron gibt es etwa 250 Zahnärzte die es nur auf das Geld der Patienten abgesehen haben. Denen sind doch die Patienten völlig egal wenn es um ihre ihre Haut geht.
    Es sind meist Zahnbehandler aus dem Osten, z.B. aus Rumänien die es an die Grenzorte zieht wie auch in diesem Fall.
    In Ungarn bekommen sie so gut wie keine finanzielle Entschädigung für ein lebenslanges Leiden durch ein Fehlverhalten eines Zahnbehandlers.
    Und bei Gericht sitzen wieder Gutachter die bestechlich sind und gerne Geld nehmen und es gewinnt immer die Klinik. Es werden immer irgendwelche Ausreden erfunden.
    Und die Gerichtsprozesse müssen in Ungarn abgewickelt werden. Dafür brauchen sie Dolmetscher die oft nicht so gut sind weil sie das fachmedizinische nicht richtig übersetzen können, sie brauchen einen ungarischen Rechtsvertreter, zahlreiche Gutachten müssen eingeholt werden usw. Ein nicht richtig übersetztes Wort ergibt oft einen ganz einen anderen Sinn.
    Dem Patienten hat dies seine gesamten Ersparnisse gekostet. Etwa 100. 000 Euro.
    Das Leben dieses Mannes wurde völlig zerstört. Er ist depressiv geworden.

  4. Mein Bekannter hat sich in Sopron in Ungarn, nahe der österreichischen Grenze in der Korona Klinik bei einer überkronten 4 gliedrigen Zahnbrücke einer Wurzelbehandlung bei Zahn 47 rechtes Unterkiefer, letzter Zahn, unterzogen.
    http://www.kronedental.hu/?lang=de Der Zahnbehandler Elekes Zsolt führte die Wurzelbehandlung durch ohne dass es dafür eine medizinische Notwendigkeit gab. Es lag keine Pulpitis vor.
    Er überfüllte die Wurzel sodass Wurzelfüllmaterial in den Nervus alveolaris inferior gelangte und informierte den Patienten darüber nicht. Mehrmals hat sich der Patient danach an den Zahnbehandler gewandt, doch dieser sagte ihm nie dass er die Wurzel überfüllt hatte. Es kann sein dass wir zu viel Betäubungsmaterial gespritzt haben erc.
    In Wien erkannte man sofort auf dem Röntgenbild dass das Füllmaterial in den Trigeminusnerv gelangt war. Es wurde mikrochirurgisch durch aufschneiden des Kieferknochens entfernt, doch leider konnte der Nerv nicht mehr gerettet werden. Seit Jahren hat er nun unerträgliche neuropathische Schmerzen und ist arbeitsunfähig. Es wurden zahlreiche Gutachten erstellt die eindeutig ein KRIMINELLES Fehlverhalten des Zahnbehandlers feststellten. Wäre das Fremdmaterial sofort entfernt worden dann hätte der Nerv gerettet werden können. Aus Scham und finanziellen Gründen (es handelte sich um eine 4 gliedrige Zahnbrücke) und außerdem hätte die Zahnklinik die Operationskosten für die mikrochirurgische Entfernung in Vollnarkose bezahlen müssen.
    In dieser kleinen Stadt Sopron gibt es etwa 250 Zahnärzte die es nur auf das Geld der Patienten abgesehen haben. Denen sind doch die Patienten völlig egal wenn es um ihre ihre Haut geht.
    Es sind meist Zahnbehandler aus dem Osten, z.B. aus Rumänien die es an die Grenzorte zieht wie auch in diesem Fall.
    In Ungarn bekommen sie so gut wie keine finanzielle Entschädigung für ein lebenslanges Leiden durch ein Fehlverhalten eines Zahnbehandlers.
    Und bei Gericht sitzen wieder Gutachter die bestechlich sind und gerne Geld nehmen und es gewinnt immer die Klinik. Es werden immer irgendwelche Ausreden erfunden.
    Und die Gerichtsprozesse müssen in Ungarn abgewickelt werden. Dafür brauchen sie Dolmetscher die oft nicht so gut sind weil sie das fachmedizinische nicht richtig übersetzen können, sie brauchen einen ungarischen Rechtsvertreter, zahlreiche Gutachten müssen eingeholt werden usw. Ein nicht richtig übersetztes Wort ergibt oft einen ganz einen anderen Sinn.
    Dem Patienten hat dies seine gesamten Ersparnisse gekostet. Etwa 100. 000 Euro.
    Das Leben dieses Mannes wurde völlig zerstört. Er ist depressiv geworden.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*